Geschichte

Gründung am 9.Oktober 1887 als „ Bienenzuchtverein Neuss und Umgebung“ mit Sitz in Neuss. Tagungsort Hotel Berghaus. 1.Vorsitzender Bahnvorsteher Claessen aus Norf. Kassenrendant Breuer aus Neuss. Schrift- und Protokollführer Tieves aus Neuss. Zu den Ortschaften gehörten neben Neuss und Norf noch Grevenbroich-Neurath, Düsseldorf-Heerdt und Oberkassel, Büderich und Kaarst – 24 Mitglieder.

2.Sitzung am30.Oktober 1887:

Herr Claessen teilte mit, des Kaiser Wilhelm I. ein Verehrer der Bienenzucht sei und auf der Pfaueninsel in Berlin selbst Bienen halte. Herr Claessen stellte den Neusser Bienenzuchtverein unter das Protektorat Seiner Majestät und brachte ein Hoch auf ihn aus, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Claessen hielt einen Vortrag über „die Königin der Bienen“ und ein Lehrer Schulzen aus Neurath (Grevenbroich), der später als höherer Regierungsbeamter in den Protokollen erscheint, einen Vortrag „Wegweiser für Anfänger“. Weitere Themen der Monats- und Hauptversammlungen, die aber meist im Frühjahr oder Herbst stattfanden, zeitweise auch ausfielen, waren: Räuberei bei Bienen, Nutzen der Lindentracht, die Dzierzon-Kästen, Bienenruhe im Winter. Lehrer Breuer aus Hoisten berichtete über die geschlechtliche Befruchtung bei den Bienen. Am 21.6.1891 legt Herr Claessen den Vereinsvorsitz nieder, strapaziöser Eisenbahnerdienst.

Unter dem Druck von Landrat von Schorlemer wird Gymnasiallehrer Müller 1. Vorsitzender. Sein Stellvertreter ist Johann Pütz, Bahnmeister in Norf, der am 2.12.1902 1.Vorsitzender wird und es bis zum14.1.1917 bleibt.

Die Vereinsspaltung

Am 5.9.1908 erklärte Bahnmeister Pütz aus persönlichen Gründen den Austritt seines Vereins aus dem alten Bienenzuchtverein Neuss und Umgebung. Pütz will keinen Anschluss an den Dachverband Rheinischer Imkerbund. Einigungsverhandlungen von 1911,1913 und 1916 sind erfolglos. Unter Vermittlung von Generalsekretär Schulzen aus Viersen suchen viele Mitglieder Anschluss an den alten Verein. Ende 1918 bilden die Osterrather Mitglieder aus Verärgerung über die Verzögerungstaktik von Pütz einen eigenen Verein. Ein Teil des Vereins „ Bienenzuchtverein Neuss und Umgebung“ tritt am 1.3.1919 aus und sucht Anschluss an die Bienenzuchtvereine der Rheinprovinz. Bei geheimer Abstimmung sind von 26 Imkern 14 für den Anschluss.

Am 30.3.1919 wird der Imkerverein „Bienenfreunde“ mit Anschluss an der Dachverband „Rheinischer Imkerbund“ im Lokal Marienbildchen in Neuss gegründet. Der 1.Vorsitzende war Lehrer Heinrich Harnischmacher.

Die Wiedervereinigung

Am 21.2.1926 verkündet der 2.Vorsitzende der „Bienenfreunde“, Herr Dammer, freudig über die gelungene Wiedervereinigung der beiden Neusser Bienenzuchtvereine. Als neuer Name wurde „Bienenzuchtverein Neuss „ beschlossen. Das Ende von „ Neuss und Umgebung“: Am 18.1.1924 wurde Pütz zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Lehrer Bock, hier jetzt 1. Vorsitzender, klagte am 5.10.1924 über geringen Versammlungsbesuch. Das letzte Protokoll stammt vom 9.3.1926.

Noch einmal zurück zu den Bienenfreunden 1920: Am 14.3.1920 wurde ein Sommerlehrkursus von 10 Sonntagen beschlossen, Beginn 13.5.1920. Am 16.5.1920 berichtet Schriftführer Seifarth in wunderschöner Sütterlinschrift, die die nächsten Jahre das Protokollbuch schmücken, dass 38 Teilnehmer dem Verein beigetreten sind, wohl aus Versicherungsgründen, der nunmehr 63 Mitglieder zählt. Dabei war auch mein Großvater, der Bäckermeister Christian Josephs, der laut Generalversammlung vom 17.12 1920 mit noch 14 Kursteilnehmern wieder den Verein verlassen hat. Er war im Deutschen Kakteenzüchterverband, außerdem mochte er nach Aussage meiner Oma den klebrigen Honig an den Fingern nicht.

Von Weltkrieg zu Weltkrieg

In den Notzeiten nach dem ersten Weltkrieg oder im 2.Weltkrieg 1939-1945 war die Zuckerzuteilung zur Bienenfütterung immerwährender Gegenstand der Beratungen. Wanderungen mit den Völkern in die Rapsblüte oder die Heide waren als Hilfsmaßnahmen zur Einfütterung nicht so erfolgreich wie erhofft. Am12.11.1923 wurden vom Verein für 600 Pfund Zucker 48 000 Mark bezahlt. Der Vereinsbeitrag pro Mitglied betrug 200 Mark. Am 9.3.1924 betrug der Vereinskassenbestand 250 Milliarden Mark..

Die Einrichtung einer Vereinsbibliothek wurde schon am 16.1.1921 von Herrn Dammer angeregt. Sie existiert heute noch. Am 14.11.1926 wird Herr Dammer zum Ehrenmitglied ernannt. Am 20.1.1928 legt Lehrer Harnischmacher wegen des Desinteresses der Vereinsmitglieder den Posten des 1. Vorsitzenden nieder. Herr Seifarth übernimmt neben dem Schriftführerposten auch den 1.Vorsitz, den Harnischmacher am 22.1.1933 wieder übernimmt. Hier berichtet auch Kassierer Hürkinghaus über den Austritt der Krefelder Bienenzüchter aus dem Rheinischen Hauptverband. Es ging um Zucker und Machenschaften der Krefelder Zuckerzentrale. Deswegen protestierten 400 Imker in Köln….

Ab 22.4,1934 ist Herr Hürkinghaus 1.Vorsitzender,Seifarth sein Schriftführer. Ein Gärtner Hans Gloch referiert über die Bestäubungseffizienz der Bienen. Herr von der Ahe berichtet über die Rassenzucht nach Dr. Goetze. In Düsseldorf-Oberkassel wird einem Herrn Thölen der Bienenstand im Hausgarten weggeklagt. Es wird von Standvernichtungen wegen Faulbrut in Schwerin berichtet. Es gibt wegen der Devisenbewirtschaftung – Auswirkung der Weltwirtschaftskrise -keine Importe von Auslandshonigen. Die Imker sollen die Zucht der Deutschen Biene bevorzugen, Kaplan Froitzheim demonstriert an seinem Stand den Zweivolkbetrieb.

Am 29.1.1939 berichtet ein Herr Körner, dass die Zuckerpreise im Altreich höher sind als im Ostreich oder den Sudeten. Es wird die Bildung von Zucht- und Wandergemeinschaften angeregt. Die Krefelder Zuckerzentrale hat 20 000 RM Schulden gemacht. Am 17.3.1940 wird dem im Felde stehenden Königinnen-Zuchtobmann von der Ahe die Goldene Ehrennadel des Imkerbundes verliehen, ebenso dem langjährigen Vorsitzenden Lehrer Harnischmacher.

Der Imkerverein existiert als Ortfachgruppe. Ein Herr Kleine appelliert an die Verpflichtung zur Rassezuchtwahl. Am 4.8.1940 wird an die Honigablieferungen erinnert, pro Volk 2 kg, es besteht Ablieferungspflicht, man solle guten Willen bezeugen zur Versorgung der Verwundeten, Flieger und U-Bootbesatzungen sowie der Großstadtbevölkerung. Der Eierwirtschaftsverband liefert den Zucker zum Einwintern – 38 Imker waren anwesend.

Am 15.6.1941 gibt es einen Bürgermeisterzuschuss für 50 Königinnen von je 3 RM. Im Frühjahr wird das Eingehen vieler Völker beklagt, man vermutet eine negative Einwirkung der Flak. Am 25.1.1942 wird heftiges Winterwetter angesagt, die Wanderungsplanungen werden abgesagt, auch wegen der „ Zeitverhältnisse“. Am 10.1.1943:Es gibt kein Wachs mehr, da es für Rüstungszwecke benötigt wird. Die Führung der Landesfachgruppe Imker ist in andere Hände – Herr Körner – übergegangen. Am 22.8.1943 beklagen Hürkinghaus und Seifarth vor 50 Imkern die schlechten Honigernten, schon im 4.Jahr. Körner schlägt harte Töne an bezüglich der Honigablieferungen. Hürkinghaus will als 1. Vorsitzender zurücktreten, aber keiner der 50 Imker will 1.Vorsitzender werden.

Die Neugründung

Am 10.2.1946 fand die Neugründung und Wahl eines Vorstandes in Neuss in der Gaststätte „Dom“ statt unter der Bedingung, die 13 Mitglieder, die der NSDAP angehört haben, dürfen nicht gewählt werden. Herr Hürkinghaus wurde als 1.Vorsitzender vorgeschlagen. Der lehnte aber aus persönlichen Gründen ab. Ebenso lehnte Herr Seifarth, der 25 Jahre Schriftführer war, eine Neuwahl ab. So wurde Herr Werner zum 1.Vorsitzenden und Herr Linßen zum Schriftführer gewählt. Am 17.11.46 Krach zwischen Werner und Linßen, es ging um Zuckergeld und Einhaltung des Dienstweges. Ein Herr Peters schlichtet. Hier wird der Name Klomp als Beisitzer zum 1. Mal erwähnt, ein 1.Vorsitzender um 1955.

Am 15.6.1947 kondoliert Werner Harnischmacher, dessen Frau verstorben ist. Puderzucker und Wachs bekommt nur, der mehr al 5 Völker hat. Am 27.7.1947 erinnert ein Kreisverbandsvorsitzender Peters aus Jüchen an die Honigabgabe und den Zuckerbezug. Die letzten vier Eintragungen in der handschriftliche Chronik datieren vom21.9., 19.10, 16.11. und 21.12.1947 : Es geht um Heidewanderung, Zuteilung von Schleudern, Eigentumsrechte an Bienenschwärmen. Herr von der Ahe berichtet vom Einfangen eines Bienenvolkes aus dem Holzboden eines Bauernschlafzimmers, das dort jahrelang gelebt hat und beim Einfangen noch 17 Pfund Honig für den Bauern gebracht hat.

Ende der Chronik

Die folgenden Daten habe ich aus Mitgliederlisten, Zeitungsberichten und sonstiger Vereinskorrespondenz: Bis ca. 1955 leitet Werkmeister Richard Werner den Verein und wird dann von Johannes Klomp als 1.Vorsitzenden abgelöst. Auf Klomp folgt ca.1970 Alfons Fongern, der 1972 in der Stadtsparkasse Neuss eine Ausstellung anlässlich des 85jährigen Bestehens unseres Vereins organisierte (Berichte in der NGZ und den Düsseldorfer Nachrichten). Er starb 1974. Auf ihn folgte Fritz Ehlert und Werner Jungbluth, die sich bis ca. 1985 im 1.Vorsitz abwechselten, dann folgte Friedhelm Haack, 2.Vorsitzender Heinz Krüger.

Am 9.6.1998 veranlasste er die Eintragung ins Vereinsregister des Amtsgerichtes Neuss. Bisher gab es keine Eintragung des Neusser Imkervereins in den Vereinsregistern der Stadt Neuss, eingesehen im Neusser Stadtarchiv. Ihm folgte 2006 Christoph Klingenhäger, der aber 2007 als 1.Vorsitzender zurücktrat aus persönlichen Gründen. Ab 2007 wurde ich, Dr.rer.nat.Christian Josephs von der Imkerschaft unseres Vereins zum 1.Vorsitzenden gewählt, 2011 wiedergewählt. Zur Seite standen mir der langjährige 2.Vorsitzende des Vereins Heinz Krüger, ebenso unser Kassierer Dieter Banken und viele Mitimker.

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das Jubiläumsgeschenk der Firma Coenen anlässlich ihres 125jährigen Bestehens an die Stiftung Kinderbauernhof, ein Bienenhaus.

Bei den Vorstandswahlen 2015 wurden gewählt:

1. Vorsitzender: Claudia Kohnke
2. Vorsitz: Karl-Hermann Apel
Kassierer: Dieter Banken
Schriftführer/in: Elisabeth Joseph
Beisitzer: Stefan Morjahn, Otto Pastor